Von der Chance , das Lernen einmal anders zu denken als nur in Noten und Schullaufbahnentscheiden.

Seit zwanzig Jahren wird mit dem Wort "Pisa" vieles begründet, was an den Schulen anders und besser werden muss. Vielleicht bekommt «Pisa» bald Konkurrenz: Corona.

 

In der Krise zeige sich der wahre Charakter, heißt es gerne.

Als die Schulen Mitte März auf Anordnung der Politik vom einen auf den anderen Tag auf Homeschooling umstellen mussten, war der Druck maximal. Jetzt lässt sich sagen: Schulen erweisen sich als gut organisiert und flexibel – und ihre Lehrer als lernfähiger und innovativer, als mancher vorher dachte. Ja, vielen Pädagogen tut die Krise sogar richtig gut. Schon jetzt machen sie sich Gedanken, wie das Lernen auch nach der Krise anders aussehen könnte.

In Umfragen bei der Lehrerschaft zeigt es sich, dass rund die Hälfte der befragten Lehrpersonen angibt, nach der Corona-Krise häufiger digitale Lernformate einsetzen zu wollen. Zwei Drittel sagen sogar, sie wollten Schülerinnen und Schüler künftig stärker dazu befähigen, mehr Verantwortung für ihren eigenen Lernprozess zu übernehmen.

Die Schulverantwortlichen sind gefordert, mit ihren Lehrpersonen die Chance zu nutzen, neu über das Lernen nachzudenken und Konzepte zu entwickeln, was sie davon in die Zeit nach Corona mitnehmen können. Warum nicht Schüleraktivität noch höher ansiedeln und vom Frontalunterricht im weitesten Sinne Abstand nehmen.? Oder gar einzelne Fächer und das feste 45-Minuten-Zeitraster überdenken.?

 

Arbeitsblätter haben die Schülerinnen und Schüler in den letzten Wochen genug nach Hause geschickt bekommen. Sie sollten erst einmal wieder ankommen und verarbeiten, was sie erlebt haben. Das ganze Land ist angespannt, das ist auch den Kindern nicht verborgen geblieben. Wer ein Konzept entwickeln will, wie die Kinder sich wieder daran gewöhnen können, Schülerinnen und Schüler zu sein, sollte das in Betracht ziehen, was sie erlebt haben. Sie haben vielleicht wochenlang mit vielen Geschwistern in beengten Verhältnissen gelebt oder waren viel allein. Andere haben erlebt, wie ihre Mütter und Väter den Job verloren haben oder litten unter ständig gestressten Homeoffice-Eltern. Der Fokus sollte nicht allein auf der Leistung liegen. Also warum nicht mit den Schülerinnen und Schülern ein Theaterstück entwickeln oder Geschichten schreiben und ein Buch gemeinsam verfassen oder oder oder...

 

Also bitte nicht im gewohnten Vor-Corona-Trott weiterfahren, "verpassten" Schulstoff im Eiltempo durchpauken, Lernkontrollen nachschreiben und alle über den gleichen Kamm scheren, uneingedenk der Tatsache, dass alle die Zeit ohne Schule völlig anders erlebt haben. 

 

Die Phase nach dem Homeschooling ist die Chance, das Lernen einmal anders zu denken als nur in Noten und Schullaufbahnentscheiden.

 

 

 

 

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